Le-Space

Sechzehn Jahre Le Space

Vom ersten Coworking Space Leipzigs zu einem Stack, der ohne Server auskommt.

Die Bilder sind Illustrationen, keine Fotografien — für die frühen Jahre existieren keine brauchbaren Aufnahmen.

  1. Illustration: ein offener Arbeitsraum mit langen gemeinsamen Tischen und Menschen, die nebeneinander arbeiten.

    Coworking war in Deutschland gerade angekommen — eine Handvoll Spaces im ganzen Land.

    Ein Raum in Leipzig

    Le Space eröffnete den ersten Coworking Space Leipzigs: 112 Quadratmeter im Tapetenwerk, Platz für zehn bis fünfzehn Menschen, freitags gemeinsames Frühstück vor der Arbeit.

    Der Raum bestand ein Jahr, bis Mai 2011. Die Community, die sich dort bildete, gibt es bis heute.

    Software folgte fast sofort — eine eigene Anwendung zur Verwaltung des Space, im selben Jahr geschrieben.

  2. Illustration: Arbeit am Laptop in einer weiten, leeren Landschaft.

    In der Unternehmenswelt wanderten Desktop-Anwendungen reihenweise in den Browser.

    Zwei Jahre Finanzbranche

    Nach dem Ende des Space folgten zwei Jahre für Fondskonzept / Maklerservicecenter in München: die Portierung einer Java-Client-Anwendung für Makler auf eine Google-Web-Toolkit-Variante — regulierte Branche, große bestehende Anwendung, und ein Termin, der jemand anderem gehörte.

    Erst danach begann die Arbeit mit WebRTC.

  3. Illustration: Menschen arbeiten an Laptops und praktizieren Yoga an einem Strand bei Sonnenuntergang.

    Video im Browser war neu, und jeder Anbieter wollte einen dafür auf seiner Plattform haben.

    Remote.Yoga

    Ein Startup für Yogastudios und ihre Schüler, ab 2012 — und der erste Anlauf zu etwas, das sehr viel später wiederkehrt: WebRTC-Video und -Audio für eine Yogastunde nutzbar machen, ein Lehrer zu vielen Schülern.

    Teile davon entstanden 2013 und 2014 in Goa.

  4. Illustration: ein Schreibtisch mit zwei Bildschirmen in einem hellen Raum, davor das Meer.

    WebRTC war in den großen Browsern angekommen, von einem Standard aber noch Jahre entfernt.

    Zusammenarbeit ohne Raum

    Wenn es beim Coworking darum geht, dass Menschen nebeneinander arbeiten — braucht es dann den Raum? Le Space baute virtuelles Coworking über WebRTC und Videotelefonie als native Apps für iOS und Android.

    Die Technik war schon damals Peer-to-Peer. Aber sie brauchte Signalisierungs- und Medienserver, um zwei Browser überhaupt zu verbinden. Die Abhängigkeit blieb.

  5. Illustration: ein Arbeitsplatz mit Blockchain-Node-Software auf dem Bildschirm.

    Der ICO-Boom: Praktisch jedes Projekt finanzierte sich über den Verkauf von Token.

    Nachweis ohne Mittelsmann

    Doichain, ein Fork von Namecoin: fälschungssichere Nachweise über das Double-Opt-In im E-Mail-Marketing, dokumentiert in einer Blockchain statt bei einem Dienstleister. Prototyp 2018, ein Non-Profit als Träger, Workshops mit dem eco-Verband.

    Das Projekt wurde 2023 bewusst ausgelaufen.

  6. Illustration: Arbeit am Laptop an einem abgelegenen Schreibtisch, Code einer verteilten Datenbank auf dem Bildschirm.

    FTX und Terra-Luna brechen zusammen. Das Vertrauen geht mit — bei Entwicklern, Gründern und Investoren gleichermaßen.

    Der Bruch

    Le Space stellte die Frage neu, mit zwei Bedingungen: Peer-to-Peer ohne Blockchain, und ohne Tokenverkauf als Geschäftsmodell.

    Die Antwort fand sich im selben Jahr — OrbitDB, libp2p und IPFS. Seitdem entsteht laufend Neues: local-first Peer-to-Peer als Web-Apps, von Aufgabenlisten über einen Blog und ein Adressbuch bis zur Kursbuchung für Yogastudios.

  7. 2025

    Passkeys lösen Passwörter im Massenmarkt ab, nicht mehr nur bei Frühnutzern.

    Erster Platz, von libp2p selbst

    Le Space gewann im Dezember 2025 den Universal Connectivity Hackathon des libp2p-Projekts.

    Der Beitrag hat zwei Hälften. Die eine brachte einer Peer-to-Peer-Tabellenkalkulation Universal Connectivity bei, damit sie mit dem UC-Chat sprechen kann. Die andere brachte dem Chat selbst bei, das Angebot eines anderen Peers zu erkennen und zu installieren.

    Dazwischen steht das Universal Connectivity Extension Protocol: Anwendungen melden ihre Fähigkeiten als Erweiterungen an und finden die der anderen über libp2p, ohne zentrale Registrierung. Eine Anwendung hört damit auf, ein Silo zu sein.

  8. 2026

    Local-first wird vom Nischenbegriff zur Bewegung.

    Der Stack

    Identität über Passkeys statt Passwörter. Relays, die jeder in Minuten selbst startet. Zwei Geräte, die sich über einen QR-Code finden, ganz ohne Relay. Ein Vortrag auf der FOSDEM. Und Yogasūcī, im Einsatz.

    Der letzte Punkt schließt einen Kreis. Das Problem, an dem die WebRTC-Arbeit hängen blieb — man kommt ohne fremde Server nicht zueinander — ist genau das, was heute gelöst ist. Und das Yoga von 2012 läuft inzwischen als Anwendung, die zwischen Geräten repliziert, ohne Server und ohne Konto.

    Sechzehn Jahre, dreimal dieselbe Frage: Wem gehört das, womit wir arbeiten — der Raum, der Nachweis, die Daten? Nur die Antworten wurden besser.